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Emissionen im Haus: Wohngesundheit fängt mit dem Boden an

 

Wie gesund sind Baustoffe und Materialien in den eigenen vier Wänden? Nicht nur Menschen, die unter Allergien oder Asthma leiden, beschäftigen sich heutzutage intensiv mit dieser Frage. Wohngesundheit ist zu einem Thema geworden. Wie jeder selbst zu einem gesunden Raumklima beitragen kann und welchen Einfluss insbesondere der Bodenaufbau hat, erläutert Dr. Norbert Arnold vom Technischen Produktservice bei Uzin.

 

Was sind typische Emissionen im Haus, denen wir in den eigenen vier Wänden ausgesetzt sind?


Baumaterialien können nach dem Einbau Emissionen verursachen, aber auch die Bewohner selbst und ihr Verhalten. So nutzen emissionsarme Baustoffe nur bedingt, wenn beispielsweise Duftkerzen für Reizungen sorgen. Auch der Mensch selbst ist ein permanenter Produzent von Emissionen, z. B. in Form des Kohlendioxids, das wir ausatmen. Allein schon diese Kohlendioxid-„Belastung“ macht in unseren modernen, zunehmend luftdichten Gebäuden dann eine kontrollierte Lüftung notwendig, um Frischluft ins Haus zu führen und somit ein gesundes Raumklima zu erzielen. Emissionen haben also viele Facetten und Ursachen. Dennoch ist es sinnvoll, bei Baumaterialien, Möbeln, Bodenbelägen und mehr auf möglichst geringe Emissionen Wert zu legen.

Gibt es gesetzliche Vorgaben oder Qualitätszeichen, die bei der Auswahl von Baumaterialien und Einrichtungsgegenständen helfen, emissionsarme Produkte zu finden?

Am bekanntesten ist sicherlich das Umweltzeichen "Blauer Engel". Mit diesem können Baustoffe, die hohe Ansprüche an Gesundheits- und Umwelteigenschaften erfüllen, gekennzeichnet werden. Daneben gibt es bauspezifische Qualitätszeichen, die den Endverbraucher bei der Auswahl geeigneter Materialien helfen. Ein gutes Beispiel dafür ist der "EMICODE" der Gemeinschaft Emissionskontrollierte Verlegewerkstoffe, Klebstoffe und Bauprodukte e.V. (GEV). Dieses Siegel erhalten nur emissionsarme bzw. sehr emissionsarme Bauprodukte. Hinzu kommen staatliche Regulierungen: So müssen beispielsweise Klebstoffe für Bodenbeläge in Wohngebäuden eine bauaufsichtliche Zulassung aufweisen. Hierfür setzt das Deutsche Institut für Bautechnik Emissions-Grenzwerte fest, die nicht überschritten werden dürfen. Der EMICODE geht sogar noch deutlich weiter: Für die Zertifizierung „sehr emissionsarm EC1 Plus“ beispielsweise dürfen Produkte weniger als ein Zehntel der Menge an flüchtigen organischen Verbindungen (TVOC) abgeben, die für eine bauaufsichtliche Zulassung noch akzeptabel sind.

Konkret zum Thema Bodenbelagsklebstoffe. Gibt es heutzutage noch große Qualitätsunterschiede im Angebot?

Die gute Nachricht für den Verbraucher ist, dass sich heute im Grunde alle Marken-Industrieprodukte auf hohem, wohngesundem Niveau bewegen. So gut wie alle Bodenbelags-Klebstoffe sind heute lösemittelfrei, die allermeisten davon gelten sogar als sehr emissionsarm. Dies ist das Resultat jahrzehntelanger Entwicklung, der Optimierung von Rezepturen und einer gezielten Rohstoffauswahl. Damit stehen heute Bodenbeläge und Klebstoffe in sehr großer Anzahl und sehr emissionsarmer Qualität zur Wahl. Wichtig für eine wohngesunde Bodengestaltung ist jedoch, das Ganze stets als System zu betrachten und Bodenbelag und Klebstoff aufeinander abgestimmt auszuwählen. Dazu kann der Profi aus dem Handwerk individuell beraten und Lösungen vorschlagen.

Wie steht es denn um die Qualitätssicherung der Bodenbeläge selbst?

Auch dafür gelten strenge Regeln, angefangen bei der CE-Kennzeichnung über die behördliche Zulassung bis hin zu freiwilligen Kennzeichnungssystemen, wie dem Blauen Engel. Damit sind Verbraucher bei jeder Art von Belag auf der sicheren Seite, mit Holz ebenso wie mit textilen oder elastischen Belägen.

Neue Bodenbeläge und Klebstoffe erfüllen strenge Grenzwerte, wie Sie gerade erläutert haben. Doch wie sieht es mit Altbelägen aus?

Da können durchaus einige Probleme im Haus schlummern, etwa durch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) in alten Parkettklebstoffen oder mit Asbest-Anteilen in Flexplatten. Die gute Nachricht ist: Solange sie nicht angetastet werden, geht von diesen Altbelägen keine Gefahr aus. Anders ist es im Renovierungsfall, dann muss ein Bodenexperte hinzugezogen werden, der die Situation analysieren und maßgeschneiderte Konzepte vorschlagen kann. Am besten man spricht einen Bodengestalter aus der Nähe an und lässt durch ihn die vorhandenen Böden überprüfen. Dies betrifft insbesondere Böden, die 30 Jahre und älter sind - also beispielsweise wenn man ein Gebäude erbt oder einen Altbau kauft.

Würden Sie eine Empfehlung aussprechen, welchem Belag man unter Aspekten der Wohngesundheit den Vorzug geben sollte?

Vieles hängt natürlich vom persönlichen Geschmack und den Anforderungen ab. Für Allergiker beispielsweise kann ein Textilbelag im Vergleich zum Glattbelag durchaus von Vorteil sein: Ein Textilbelag bindet Staub und Schmutz und verhindert, anders als der Glattbelag, dass ständig Allergene aufgewirbelt werden und die Atemwege belasten. Somit ist die textile Lösung unter Umständen die bessere - wichtig ist dabei allerdings eine regelmäßige Pflege und Säuberung, selbst wenn der Belag noch gar nicht verschmutzt wirkt. Neben Holz, das immer aktuell ist, erlebt zudem Linoleum als naturnahes Material eine echte Renaissance.

http://www.bodengestalter.de/nc/bodengestalter-suchen/